In Bulemanns Haus
Dorrit Maria Hanke
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In Bulemanns Haus

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1. Satz

2. Satz

3. Satz

4. Satz

5. Satz

6. Satz

„In Bulemanns Haus“ von Dorrit Maria Hanke

gewidmet Herrn Mag. Gert Hecher

 

Dem 1., 3. und 5. Satz liegt ein Marienlied von Frau Ava (erste deutschsprachige Dichterin, geb. 1060, gest. 1127, Klausnerin auf Stift Melk) zugrunde. Darin wird Marias Empfängnis auf mittelhochdeutsch erzählt. Von dem Originaltext ließ ich mich inspirieren.

 

Der 2., Satz erzählt die ersten 4 Strophen des Gedichtes "In Bulemanns Haus" von Theodor Storm, der 4. Satz die Strophen 5 bis 8. Dieser Satz ist - wie leicht zu erkennen- ein Spiegelkanon, der Tanz vor dem Spiegel also. Erst bei dem letzten Ton treffen sich die Töne der beiden Stimmen zu einem Kuss.

Die letzten 4 Strophen wurden im 6. Satz verarbeitet. Da bin ich scheinbar von dem Inhalt des Gedichtes abgewichen.

 

Gerade der zarteste, schläfrigste Teil wurde am kraftvollsten vertont aus folgendem Grunde:

Vor dem Gedicht las ich die Novelle von Storm "Bulemanns Haus". Eine romantisch schaurige Geschichte von einem reichen Geizhals, der durch seine Gier sogar seinen kranken Neffen zu Tode kommen lässt. Dafür muss er ewig und einsam in seinem Haus leben, von seinen Katzen bewacht. Ein sehr düster gruseliges Ende. Als ich das Mädchen in das Haus hüpfen lassen wollte, konnte ich das also unmöglich, ohne ihr Schutz und Beistand der Maria mitzugeben. Deshalb die Sätze mit dem Marienlied. So lustig und lieb das Gedicht ist, kann es nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich um ein gefährliches Haus handelt. Darüber hinaus war die Beigabe des Marienliedes für mich ein willkommenes Mittel, um die düstere Atmosphäre des leeren Hauses darzustellen und die Sorge um das ahnungslos unbeschwerte Mädchen.

 

Der Schluss des Gedichtes wirkte auf mich sehr erleichternd. Ich deutete ihn so, dass das Mädchen, nachdem es in dem Haus in eine dunkle Schattenwelt eintrat,  sich wieder besinnt und ans Licht der Sonne will. Dies ist durchaus auch psychologisch gemeint. Nach dem Gang ins düstere Innere im Mondenschein und der Begegnung mit seinem Spiegelbild taucht es wieder in die bewusste Welt auf, zwar erschöpft, aber heil.

 

Deshalb habe ich im letzten Satz

erstens beide Gedichte - den Schluss des Marienliedes ("Als sich da niederließ, der sie geschaffen, als die Jungfrau verstand, dass es käme von Gott, und der Heilige Geist den Körper ihr einschläferte von den Füßen bis zum Scheitel: da vermählte sich der Himmel mit der Erde") und das Ende des Gedichtes von Storm verschmelzen lassen und

zweitens die Atmosphäre kraftvoll gestaltet, weil es den Lebenswillen des Mädchens zeigt, mit dem sie sich von der Geisterwelt abwand und ins Leben zurückkehrt, von der Natur begrüßt.

 



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